STEINGARTENSTILLE

HAIKU von Günther Klinge

Wilfried Hiller * Minas Borboudakis * Antje Uhle * Markus Zahnhausen

Haiku-Dichtung ist in Japan nur selten in Musik gesetzt worden. Zu abgeschlossen erscheint sie in ihrer äußerst knappen und strengen Form, in ihrer präzisen, auf Unmittelbarkeit abzielenden sprachlichen Gestaltung, als dass eine Vertonung - zumal als "Lied" - sinnvollerweise zusätzliche Dimensionen des Ausdrucks freilegen könnte.

Im Westen hat gleichwohl gerade das Haiku auch die Komponisten inspiriert. Auf ihrer Suche nach neuen Möglichkeiten der musikalischen Gestaltung bot ihnen diese Kurzgedichtform in ihrer konsequenten Beschränkung der Mittel bei gleichzeitiger Intensivierung der Wirkung geradezu ein Leitbild, an dem man sich orientieren konnte. O. Messiaen, J. Cage oder M. Feldman etwa empfingen vor allem strukturelle Anregungen vom Haiku. Andere Komponisten haben etwas zu schaffen versucht, bei dem Worte und Töne als gleichberechtigte Klangelemente so zusammenwirken, dass sie dem Gehalt eines Haiku als Ganzem nahekommen. Dieser Gedanke hat auch den deutschen Haiku-Dichter Günther Klinge beschäftigt. Aus seiner Zusammenarbeit mit dem Komponisten Mark Lothar (1902-1985) entstanden 1976 die "Acht Haiku für Sopran für Flöte, Viola, Schlagzeug und Klavier, die mit sparsamen Mitteln und fantasievollen Klangbildern die Suggestivkraft von Klinges Wortschöpfungen unterstreichen. Weitere Texte von Günther Klinge vertonte Lothar in dem 24 Haiku umfassenden Zyklus "Geheimnis der Jahreszeiten", der 1991 posthum in München uraufgeführt wurde.

Überwiegend junge, in München lebende Komponisten haben sich nun erneut mit der Haiku-Dichtung Günther Klinges beschäftigt. Grundlage ihrer Vertonungen bildete der Band "Steingartenstille", der 1990 zweisprachig deutsch-japanisch erschien und eine Auswahl von Klinges Haiku-Dichtungen aus den Jahren 1985-1987 enthält. Lediglich Wilfried Hiller konzentrierte sich bei seiner Komposition auf drei Gedichte aus einer anderen Quelle. Allen Vertonungen ist gemeinsam, dass sie zu einer zyklischen Anlage tendieren. Mit zum Teil einfachsten Mitteln schaffen sie atmosphärische Klangräume, in denen sich die Aussage der Gedichte intensiviert vermittelt. Die Stimme präsentiert die Haiku nicht als gesungene "Lieder" ab, sondern häufig nur in ihrem natürlichen Sprach-Klang. Eine Ausnahme bildet M. Zahnhausen, der die Stimme auch in musikalisch elaborierter Weise zum Einsatz bringt.

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