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WILFRIED
HILLER
und MICHAEL ENDE -
Trödelmarkt der Träume – TRTR
013, VÖ: 02.09.2004 |
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Die
enge, freundschaftliche Verbindung mit Michael Ende, 1978 beim
ersten Villa Massimo-Aufenthalt Wilfried Hillers in Rom begründet
und bis zu Endes Tod 1995 andauernd, hat für beide zu gegenseitig
intensiv sich befruchtender Arbeit und zu einer langen Reihe von
gemeinsamen Werken geführt. Das Engagement Hillers für das
Kindermusiktheater fand in Ende einen adäquaten und kongenialen Partner
– ein halbes Dutzend gemeinsamer Werke von der musikalischen Erzählung
bis zur Oper für Kinder sind das überzeugende Ergebnis. Die bairische Mär
vom Goggolori (1985) konnten nur
diese beiden Künstler mit ihrem sensiblen Gespür für Dialekt und
bairische Volksmusik und dem ernsten Respekt vor der bairischen Landschaft
und ihrem Brauchtum realisieren - aber ebenso konnten auch nur diese
beiden Köpfe sich an Lewis Carrolls Nonsense-Text The
hunting of a snark versuchen und die verrückte Theatergeschichte Die Jagd nach dem Schlarg (1988) daraus machen. Auch eine Rattenfänger-Oper,
schon mit Carl Zuckmayer als Projekt geplant, konnte Hiller mit Michael
Ende als Librettisten schließlich realisieren. Kleine Begebenheiten sind
es, Balladen, Moritaten, szenische Reflexionen, komponiert in den Jahren
1983 bis 1984, die auf die Bühne eines Traumtheaters gebracht werden,
dessen Figuren und Kulissen auf die Phantasie des Publikums angewiesen
sind. Eine übermächtige Dekoration und die entmündigende Inszenierung
visueller und akustischer Effekte gibt es auf dieser Jahrmarktsbühne und
bei diesen mit dem alten Thespis-Karren daherkommenden Spielern nicht. Mit
Miniaturen, der offenen Dramaturgie eines Trödelmarkts, mit Episoden und
mehrfach gebrochenen melancholischen Szenen aus einem Traumleben antworten
Hiller, Ende und Woska auf den akustischen Müll und Lärm der Zeit: Ein
Einspruch mit kleinen Formen und leisen Tönen. In der Enstehungsgeschichte des Trödelmarkts der Träume spielt das Zusammenwirken von Text, Musik und Szene von Anfang an eine wesentliche Rolle. Nicht nur, daß für Hillers Musik generell gilt, was der Komponist in einem Interview 1990 selbst so umschrieben hat: „Wenn ich ein Stück für ein Streichquartett schreibe, ist am Schluß doch wieder eine Tänzerin dabei. Die Musik verselbständigt sich und ist am Ende wieder eine Szene.“ Der prinzipielle szenische Gestus von Hillers Musik korrespondiert bei der Trödelmarkt-Musik mit dem dezidierten Wunsch der Schauspielerin Elisabeth Woska, keinen der üblichen Chanson-Abende mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung zu veranstalten. Die visuelle Umsetzung der Lieder stand für Woska von vornherein fest. Als Michael Ende den beiden die Liedertexte aus seinem italienischen Domizil in Genzano nach München schickte, waren es bewußt keine Gedichte, sondern Liedertexte. „Das heißt, ich habe mich bemüht, dasjenige offen zu lassen, was erst durch die Melodie dazukommen muß, damit die Sache rund wird. [...] Ein guter Liedertext darf für sich allein nicht fertig sein, erst zusammen mit der Musik soll er es sein.“ Mit diesen Worten entsprach Ende genau den Erwartungen des Komponisten und der Interpretin. Liedertexte, so steht es im Vorspann der Buchausgabe des Trödelmarktes, „erzählen manchmal eine Geschichte, leben aber hauptsächlich von Stimmungen und Bildern, die absichtlich vieles offen und unausgesprochen lassen, das man erraten muss. Es bleibt ein merkwürdiges Geheimnis, etwas Träumendes, Schwebendes, das die Musik gleichsam hervorruft.“
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